Site Meter

Nr. 41

Wenn der Schatz ruft, dann muss ich wandern, auch in der Nacht. Ich habe einen Rucksack. Da hinein kommen meine Gerätschaften, und auch Milch und Brot. Sogleich muss ich hinaus, und ich bin vertraut mit Stadt und Land. Nichts kann mir anhaben der kalte Neonseich in den städtischen Pissbecken und das Uhudunkel im Wald, das schmutzig nach Würmern riecht und Inzest. Erst geht es über Berg und Tal, und ich zertrete mit meinen Botten lokale Blümchen, die ich nicht einmal sehen kann; schad drum. Durch die Ansiedlungen laufe ich mit meinem Rucksack mitten hindurch, da können mich alle später bezeugen. Oft werde ich heimlich fotografiert, weil es mir nichts ausmacht, und wenn ich wichtig genug bin, begleitet mich auch ein Getuschel. Die einzige Gültigkeit ist die Gleichgültigkeit, denn es geht um den Schatz, der gerne wechselt. Mal ist er in einem Hinterhof, wie unter Säcken und Baumaterial, mal ist er in einem gespaltenen Birnbaum. Mal summt er mit in einem großen Raum voller Rechenmaschinen, mal schläft er in einem modernen Tresor. Erst wandere ich. Dann erschöpfe ich mich bei der Suche. Dann esse und trinke ich, und dann finde ich den Schatz. Ich darf ihn anschauen und streicheln. Er ist voller Kristalle und Bernstein und goldener Münzen aus alter Zeit, und das ist mir das Wichtigste.

-


Ich bin Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Meine
Biographie ist langweilig, mein Leben ist es nicht.


-


Die Arbeit an Homepages habe ich immer sehr mühsam gefunden.