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Der Wolf und die Füchse

Dann machte der Hunger den Wolf müde und dumm, und er geriet in eine Falle. Das Eisenmaul schnappte zu, und seine Welt wurde schmerzfarben: der rechte Hinterlauf. Einer der jungen Füchse hörte das Geheul, lief hin, sah, wie der Wolf sich hin und her wand, und ging zurück zu seinen Geschwistern. Sie schützten sich gegen den kalten Wind, indem sie sich aneinander schmiegten, wie früher, als sie Welpen gewesen waren. Die größte und klügste von ihnen sagte: „Er ist unser alter Feind. Wir sind zehn und werden die Gelegenheit nutzen.“ Als sie zu dem gefangenen Wolf zurückkamen, sahen sie, dass er sich gerade im Liegen sein verletztes Bein abnagen wollte, um wieder frei zu kommen, aber es tat wohl zu weh. Die Füchse wollten auch wissen, ob der Wolf seine Gefährten herbeirufen würde, aber er war ein alter Einzelgänger. Der Wolf verachtete die Füchse zu sehr, um ihnen zu zeigen, dass er sie bemerkt hatte. Obwohl es kalt war, und obwohl es zu schneien begann, blieben die Füchse geduldig. Der Wolf war in seiner schmerzfarbenen Welt und machte kaum noch Versuche, sich zu befreien. „Hätte das Eisen meinen Lauf durchschlagen“, dachte er, müde vor Schmerzen. Es wurde immer dunkler. „Jetzt“, sagte die größte und klügste Füchsin. Vier ihrer Geschwister verbissen sich in Nacken und Schnauze des Wolfs. Je zwei packten die beiden Vorderfläufe, und sie selbst und der zweitstärkste Fuchs kümmerten sich um den gesunden, linken Hinterlauf des Wolfs. Natürlich wehrte er sich, aber er war wohl schon zu müde vom Kampf mit der Falle und seinen Schmerzen. Jeder Versuch, sich von den Füchsen zu befreien, führte dazu, dass die eisernen Zacken des Fangeisens in seiner Wunde schabten. Die Füchse waren flink, sie waren viel kräftiger und ihre Zähne waren viel schärfer, als er sie in Erinnerung gehabt hatte. Die Schmerzen verdoppelten sich, weil die größte Füchsin und ihr Bruder Fell und Fleisch aus seinem linken Hinterlauf herausrissen; so geschwind und geschickt, wie er es kaum für möglich gehalten hätte. Dann nagten sie, Bissen für Bissen, den Knochen durch. So schmerzrot wurde seine Welt, dass er das schlussendliche Auseinanderknacken des Knochens nicht hörte. Ein bisschen nur ließ der Schmerz nach, wenn er so still wie möglich hielt, ein bisschen nur. Die Arbeit der Füchse war getan. Ihre Anführerin sagte zum Abschied:

„Du musst es uns nicht übel nehmen. Wir hassen dich nur so, wie du uns.“

Dann war er allein, blutend. Die Kälte machte sich an ihm zu schaffen, und weil er sich kaum noch bewegte, wurde er mehr und mehr von Schnee bedeckt. Zuletzt sah er das Nordlicht über den Himmel wehen.


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Ich bin Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Meine
Biographie ist langweilig, mein Leben ist es nicht.


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Die Arbeit an Homepages habe ich immer sehr mühsam gefunden.