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Methoden


"Meine Methoden". Wenn ein Kunde von "meinen Methoden" anfängt, dann ist das Verhältnis schon zerrüttet, und ich muss ihn bald darauf hinweisen, dass er meine AGB unterschrieben hat, nach sorgfältiger Aufklärung. Next stop "Datenhexe", "Schnüfflerin", "Falschspielerin", usw. Ein bisschen stimmt das mit der Falschspielerei natürlich. Ich lasse mir von den Kunden immer den Zugang zu ihren Computern erlauben, und de facto mache ich bei denen, die es wirklich ernst meinen, eine Hausdurchsuchung, damit mir so was wie alte Tonbänder, Tagebücher etc. nicht durch die Lappen geht. "Uh", denken die Kunden, "jetzt werde ich gehackt und überwacht! Durchsucht und gefilzt! Gruselig!" – Aber natürlich fangen "meine Methoden" an, wenn das Offensichtliche geschehen ist. Wenn die jämmerlichen privaten Passwörter geknackt, die Schubladen durchforstet und die Geheimnisse aufgedeckt sind, mit denen der Kunde selbst Umgang hatte. Danach kommt das große Bild: die Geheimnisse, die
ihn anfassen. Die Geisterfinger der Daten. Was man früher "Big Data" genannt hat, und noch früher "Data Mining".

Die guten Kontakte zur Polizei, natürlich, natürlich. Aber wenn ich mich auf das verlassen würde, was die guten Kontakte zur Polizei ergeben, also der Zugang zu polizeilichem Daten-Rohmaterial, dann hätte ich nur einen Haufen Einsen und Nullen. Und das gleiche gilt für die Resultate, mit denen meine Freischaffenden zu mir kommen. Sie machen mir die Schatullen auf, deren Schlösser ich nicht knacken kann: Die Datengräber privater Überwachungsarchive, Abrechnungen von On- und Offlineretailern, Geheimdienstakten, von denen die Polizei nichts weiß, Krankenkassenaufzeichnungen (inklusive Genanalysen), Datenbanken, die mich als zahlenden Kunden nicht akzeptieren oder die mir zu teuer sind. Und so weiter und so weiter. All das ist nur ein Haufen Zeug. Ein riesiges Datengefangenenlager. Die Gefangenen singen erst, wenn ich zur Dirigentin werde. Wenn ich sie zu kleinen, präzisen A-Capella-Ensembles zusammenstelle, beginnt die Musik.

[aus: Die Spiegelmacherin, in:
Kabeiroi]

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Ich bin Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Meine
Biographie ist langweilig, mein Leben ist es nicht.


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Die Arbeit an Homepages habe ich immer sehr mühsam gefunden.