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Schlüsselsafe

In dem winzigen Haus mit der gelben Tür hatte man früher die Kutsche untergebracht; das fanden wir passend. Die Vermieter trafen wir nie, aber die Äpfel, die der Wind auf den perfekten Rasen des Gartens schüttelte, sahen wie arg verfrühte Christbaumkugeln aus. Wir beschäftigten uns mit dem Bedauern darüber, was wir alles nicht sehen konnten. Der Kopf von Karl Marx lag auf seinem Monument und dachte weiter vor sich hin. Eine Ausstellung über deutsche Menschenfresserei war so schwarz, dass meine Sehkraft leicht abnahm. Die öffentlichen Verkehrsmittel ließen uns mittelalte Männer beobachten, die wie Geier auf den Schultern junger Frauen hockten, um fremde Smartphone-Nachrichten mitzulesen. Am Meridian stand Lord Nelson auf einer Säule und war es dann doch nicht, sondern ein anderer Mann, der gewiss auch historische Bedeutung hatte. Im Leadenhall Market stellten sich die Geschäftsleute in ihren Gehegen auf und machten mit je zwei Bier den Abend klar. Dem weltstädtischen Charakter gemäß gab es am Himmel keine Vögel, sondern nur Flugzeuge unterschiedlicher Triebwerksleistung. In den hervorragenden Parks und Gärten ließ sich der Sommer beim gewissenhaften Einpacken anschauen. Das alte Kraftwerk, das man in ein Museum verwandelt hatte, roch immer noch nach Maschinenöl und verschaffte uns eine Kunstvergiftung. Ich kaufte Tee bei der Ostindien-Kompanie, die es schon seit 1874 nicht mehr gab. Am Ende kam es noch zu einem Anschlag, der allerdings keine Todesopfer forderte, weil die gläubigen Terroristen Fehler gemacht hatten. So war ihnen etwas Menschliches verblieben.

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Ich bin Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Meine
Biographie ist langweilig, mein Leben ist es nicht.


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Die Arbeit an Homepages habe ich immer sehr mühsam gefunden.