Der Zensor

Angenommen, die Nachfahren der Maya wären irgendwann weltweit führend in der Nanotechnologie und würden mithilfe dieser Technik das untergegangene Maya-Reich in alter Tradition wieder auferstehen lassen. Gut möglich, dass diese High-Tech-Maya-Nachfahren eine noch offene Rechnung mit ihren ehemaligen spanischen Eroberern zu begleichen hätten und nun im Gegenzug Spanien erobern würden. Angenommen, das wäre alles schon passiert und auf den Ruinen von Santiago de Compostela würden bereits Mayatempel stehen – wäre das nicht eine interessante Ausgangslage für ein Buch?

Vor dem Fest

Es ist schon sehr schön, wenn einer meiner Texte stimmlich so interpretiert wird, dass die Geschichte klarer zutage tritt. Sven Matthias hat es geschafft, als wäre das gar nichts. In Wirklichkeit braucht es Talent, eine tolle Stimme und viel Disziplin, um Texte so gut zu lesen.

"Meine liebe Mathilde, mach dir keine Sorgen. Selbstverständlich ist es in Ordnung, dass du mir einen Brief schreibst. […] Bevor ich mit dem Beantworten deiner Fragen beginne, lass mich erwähnen, dass ich persönlich an die Humortheorie glaube. Was die Gäste tun oder lassen, was sie uns erlauben oder verwehren, auf jeden Fall ihre Anwesenheit hier und vielleicht ihre ganze Existenz – ein einziger großer Witz. Ein Witz, dessen Pointe wir nicht verstehen."


Kabeiroi

Den Möglichkeitsraum einer Zukunft ausmessen, die schon sehr gegenwärtig erscheint – das wollen diese zehn Erzählungen. An welche Grenzen kommt denn jemand, der alles über andere erfahren kann (Die Spiegelmacherin)? Wie werden Journalisten auf die Geschichte ihres Lebens reagieren, wenn es den Journalismus, wie wir ihn kennen, gar nicht mehr gibt (Sandburgen)? Was wäre die beste Methode, um gute, weitreichende Ideen zu finden (Gedankenwetter)? Sollte Sex überhaupt eine Zukunft haben (Fröhliche Körper)? Die Verschiebungen und Verfremdungen, mit denen diese Texte arbeiten, sind oft nicht gewaltig. Die Konsequenzen, die sie schildern, allerdings schon.

H0

Tanja Kressbach ist das Leben als selbstständige Grafikdesignerin herzlich leid: Wer will schon sein Geld damit verdienen, Werbebroschüren für High-Tech-Wurstpellen zu gestalten? Da fällt ihr unverhofft das Angebot in den Schoß, das Pressegesicht für die größte Bauprojekt zu werden, das Deutschland je gesehen hat: Das H0-Projekt. Millionengehalt inklusive. Man müsste verrückt sein, um so etwas abzulehnen. Doch bald stellt sich heraus, dass die H0-Macher nicht von ungefähr ausgerechnet Tanja mit ihrer autonomen Vergangenheit ausgewählt haben.

Pension Barbara

Das Meckenheim-Institut bietet Frauen eine alternativmedizinische Geburtsbegleitung in waldstiller Abgeschiedenheit. Während Katharina Walter dort auf ihre Entbindung wartet, sitzt ihr Mann Felix in einer Pension im nahen Kesslingen. Bald gewinnt er den Eindruck, dass man ihn bewusst von seiner Frau fernhält. Ein feindseliges Schweigen lastet über dem Dorf. Als Felix im Wald einem redseligen alten Nazi begegnet, wächst in ihm die Ahnung, dass im Meckenheim-Institut sehr viel mehr als harmlose Naturmedizin betrieben wird.

kehle, eine aufzählung

Peter Fox war Soldat der faschistischen Wehrmacht und wurde 37 Jahre alt. Ein kurzer Film über deutsche Geschichte, Erinnerung und vermutbare Freundlichkeit.

Nach der letzten Instanz

In ihrer Ausgabe 7/2016 hat die Zeitschrift
Konkret meinen Text "Nach der letzten Instanz" veröffentlicht (S. 41). Er beginnt wie folgt:

Es ist was passiert. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat einer kleinen Gruppe von Lohnabhängigen bescheinigt, jahrzehntelang von den Verwertern ihrer Arbeitskraft über den Tisch gezogen worden zu sein. Anscheinend freut dieses Ereignis niemand so richtig. Dass die Arbeitskraftverwerter empört sind, kann man nachvollziehen, aber auch die Lohnabhängigen und vor allem ihre gewerkschaftlichen Vertreter ziehen ein Gesicht. Der Anblick ist einigermaßen komisch und bedarf der Erklärung.

Extra aus Anlass dieses Artikels hat mich der allseits beliebte
Leo Leowald gezeichnet.

Waschaktive Substanzen

Manche würden es Kurzprosa nennen. Aber "Waschaktive Substanzen" sind nun einmal genauso waschaktive Substanzen, wie die Maulwürfe Günter Eichs Maulwürfe waren. Immerhin gibt es einen fabelhaften
Buchtrailer, der gemäß der Devise „show, don’t tell“ viel zeigt, aber auch nichts erklärt. Roland Barthes meinte ja in wüster Überspitzung, Sprache sei faschistisch. Ich hingegen bin der felsenfesten Überzeugung, dass sie eine waschaktive Substanz ist, oder zumindest verschiedenen waschaktiven Substanzen ausgesetzt werden sollte.

Polyplay

Wir schreiben das Jahr 2000, zehn Jahre nach der Wende. Bei der Untersuchung des ausgesprochen gewaltsamen Todes, der den computerfanatischen Jungen Michael Abusch ereilt hat, gerät Kommissar Kramer mit der Staatssicherheit aneinander, die den Fall an sich ziehen möchte. 2000? Stasi? Stimmt genau, denn Polyplay ist ein klassischer Alternativweltroman – die Wende ist umgekehrt verlaufen, und die BRD wurde an die DDR angeschlossen, nachdem der kapitalistische Westen in einer Wirtschaftskrise zusammengebrochen war.

Hallo Patreon! (Video)

„Butter bei die Fische“ heißt heute oft Crowdfunding. Patreon ist eine Website, auf der Künstler direkt mit ihren Fans in Kontakt treten und Fans die Künstler unterstützen können. Die Idee ist, einen neuen Kanal zu schaffen, durch den Kreativität dort ankommt, wo sie wertgeschätzt und mit Beiträgen vergütet wird, über deren Höhe die Zuschauer/Zuhörer/Nutzer selbst entscheiden.