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Pressestimmen zu Der Brief des Nachtportiers


Michael Braun in Volltext 3/2021 zu dem Gedicht
Devon

Der Dichter Marcus Hammerschmitt (*1967), der neben Lyrik auch verspiegelte Science-Fiction-Romane und vexierbildhafte Prosa veröffentlicht hat, ist ein poetischer Wahlverwandter von Aichingers Poetik der Finalität. Hammerschmitt hat nach seinem jüngsten Gedichtbuch "Der Brief des Nachtportiers" (Edition Monhardt, 2019) eine Reihe von zehn (bislang unveröffentlichten) Gedichten komponiert, die ganz lakonisch eine Metaphysik der letzten Dinge skizzieren.
Wenn ich sterbe, komm ich in den leichten Raum: So beginnt eins jener dunkel-existenzialistisch gefärbten Meisterstücke, in denen Hammerschmitt das Dasein seines Iyrischen Ichs inventarisiert und resümiert. (…) Von einem poetischen Ort wie "Devon" lassen sich hier alle Utopien aus den Angeln heben. Und es lässt sich mit wenigen Strichen und poetischer brevitas die Existenz besichtigen. (…) Marcus Hammerschmitt ist ein Dichter, der in ruhiger Skepsis auf Wasser sieht und noch ein paar Bilder sammelt, bevor es zu spät ist.

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Im Lyrikraum, 22.3.2020

Sprachlich sind diese Gedichte einfach kraftvoll, das sind Metaphern, die erst einmal einschlagen mit einer eigenartigen Wucht und dann Gedankenströme freisetzen. „Der Brief des Nachtportiers“ erzwingt keine Scherenschnitte, sondern Lesenächte, in denen man die Zeilen gedanklich wiederkäut, enträtselt, weiterschreibt. Wunderbar!

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Dorothee Hermann, Schwäbisches Tagblatt, 4.6.2019

Doch der 1967 im Saarland geborene Autor bewegt sich noch auf ganz anderem literarischem Terrain: Er schreibt auch Gedichte. Vor kurzem hat die Berliner Edition Monhardt sie in einer schmalen, eleganten Ausgabe zusammengefasst. Es sind Gedichte, in denen Züge fahren und in denen uralte "Eroberer" umgehen, und die auch bedenken, wie schnell sich eine Kultur zerschlagen lässt, wenn "ein schönes Stück" hart aufgesetzt wird ("Pseudogriechische Keramik"). (…) Besonders faszinieren jene Gedichte, in denen durch kunstvolle Reduktion jedes Wort kostbar wird. (…) Dann kann sich das lyrische Ich sogar dem Schutz des Zartesten anvertrauen: "Ich gehe unter Blüten, / denn so ist es sicher", heißt es in einem Gedicht. Und es bleibt offen, ob es die Blüten sind oder das Schreiben, das vor Raubtieren ebenso bewahrt wie vor verrückten Heiligen, wenn Hammerschmitts "Feinalchemie" am Werk ist. (…) Der studierte Literaturwissenschaftler und Philosoph versteht sich auch auf Liebesgedichte, auf das gemeinsame Atemholen zwischen bösen Träumen ("Sauerstoff"), während die Hitze wie ein grober Steinblock im Zimmer steht, als hätte sie sich verdichtet zu einer schweren, lastenden Gegenständlichkeit.

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