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Hitze

Hand hoch, wer noch nie gedacht hat, dass nur Mörder und Terroristen ihre Autos einzeln im Wald abstellen. Keine Aufkleber, keine Auffälligkeiten, allerdings ortsfremde Kennzeichen, bei Berlin sofort Alarm. Früher immer VW Passat. Nichts von Forstverwaltung. Vielleicht ein Handschuh auf der Hutablage oder eine alte Konzertkarte oder eine leere Getränkedose. Man denkt sich gleich: Ist ja klar. Hier braucht doch wer seine Ruhe, um Leichen zu vergraben oder Waffendepots anzulegen, mitten im Wald. Man will sich gar nicht vorstellen, was da im Kofferraum gewesen ist, und dann tut man es doch und bekommt es mit der Angst. Was, wenn die Typen ganz in der Nähe sind? Was, wenn sie einen sogar beobachten, und am Ende kommt man selbst in den Kofferraum? Also weitergehen, pfeifend, als wär nichts. Pfeifend wie ein Wandersmann, der nichts Übles denken kann. Zweihundert Meter weiter eine kleine Anhöhe mit Bäumchen. Fernglas raus und Schärfe ziehen mit der Mittelfokussierung. Da steht er, der Toyota oder der Volvo mit dreckigen Kotflügeln, oder manchmal jetzt was Elektrisches aus China mit dreckigen Kotflügeln. Immer ist das Auto dunkelblau. Oder grau. Oder schwarz. Nur die ganz alten Modelle sind auch rot oder weiß. Oder gelb. Niemals grün, das wär dann doch der Förster. Man schaut durch das Fernglas, und es passiert überhaupt nichts. Die Einzelautos werden geradezu von der Wirklichkeit gemieden, als wären sie gar nicht da. Es ist eine aufreizende, unverschämte Harmlosigkeit an ihnen, aber man ist ja nicht blöd. Man ist eine ganze Weile nicht blöd und schaut genau hin. Dann ermüdet man und steckt in einem Zustand der befriedigten Enttäuschung das Fernglas zurück in den Rucksack, Schutzkappen nicht vergessen. Das Auto ist noch da, aber die Spannung ist weg. Es geht weiter auf dem Weg. Zumindest hat man durch einige Minuten scharfer Beobachtung dafür gesorgt, dass wieder nichts passiert ist. Aber manchmal muss man am nächsten Tag doch noch an den Handschuh auf der Hutablage denken. Oder an die leere Getränkedose.

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Ich bin Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Meine
Biographie ist langweilig, mein Leben ist es nicht.

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Die Arbeit an Homepages habe ich immer sehr mühsam gefunden.