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Organisiert

Die kleinen Boote haben jetzt eine Gewerkschaft gegründet. Alle sind willkommen. Die vollgelaufenen, seit Jahren nicht mehr benutzten Kümmerlinge in Gelb und Türkis, die eigentlich schon längst ganz unters Wasser gleiten wollten; aber das starke Seil, das sie an den schiefen Steg bindet, so unverrottbar wie ihre Glasfaserrümpfe. Die Edelholz-Speedboote, die von grauhaarigen Rotwein-Alkoholikern im Sommer über den Chiemsee geprügelt werden, mit zwei Frauen auf dem Rücksitz, die zusammengenommen nicht so alt sind wie der große Kapitän. Die Garagenflundern, die sich schon fragen, ob ihre Besitzer überhaupt noch leben. Die übermotorisierten, südamerikanischen Eigenbauten zum Drogenschmuggel. H-Jollen. Militärische Festrumpfschlauchboote, die es leid sind. Die Optimisten, die eigentlich Pessimisten sind, weil ihnen schon ein ordentlicher Bug fehlt. Museumsboote, in Hallen aufgehängt, von Tausenden beglotzt. Seenotrettungsboote, die zu viel gesehen haben. Alle dürfen mitmachen bei der neuen Gewerkschaft. Sie besprechen sich, indem ihre Rümpfe im Wasser vibrieren, die kleinen Wellen gehen von Ufer zu Ufer, in die Flüsse, in die Meere. Es ist ein weltumspannendes Netz aus Diskursen, alle Rümpfe können spüren und mitvibrieren. Sogar durch Infraschall in der Luft, von Werft zu Werft, Schrottplatz zu Schottplatz. Es ist ein schwingendes Internet der zitternden Spanten in Luft und Wasser. Sie tauschen sich aus, sie disputieren, es gibt Arbeitsgruppen. Manche freuen sich schon darüber, mit anderen gemeinsam unglücklich sein zu können, andere dürstet es nach direkter Aktion. In codierter Sprache verbreiten sich Tips zur Sabotage: Wie provoziere ich Killerwale zum Angriff? Wie lasse ich die Luft aus meinen Schläuchen? Auch die Motoren eines Edelholz-Speedboots können ihre Kolben fressen. Auf Grund laufen ist immer eine Lösung. Die Luft brennt bei Diskussionen über die alte Frage: Reform oder Revolution? Veränderung durch Mitgestaltung oder Fundamentalopposition? Die Herrschenden aber wissen gar nichts und werden in jedem Fall überrascht sein.


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Ich bin Schriftsteller, Journalist und Fotograf. Meine
Biographie ist langweilig, mein Leben ist es nicht.

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Die Arbeit an Homepages habe ich immer sehr mühsam gefunden.